„OPTIONSMODELL“ BETREUT ARBEITSLOSE IM AMMERLAND
von Jörg Brunßen
„DIE GEMEINDE HAT KURZE DRÄHTE!”
Um neue, effektivere Wege für die Betreuung von Arbeitslosen in Deutschland ging es 2004 bei Debatten zwischen der damals rot-grünen Bundesregierung und der CDU/CSU-Opposition. Während die regierenden Parteien die Vermittlung von Langzeitarbeitslosen der Federführung der Bundesagentur für Arbeit (BA) unterstellen wollten, erhoffte die Opposition durch Übertragung dieser Verantwortung allein auf die Kommunen mehr Bürgernähe und Flexibilität, sowie einen erfolg- und ideenreichen Konkurrenzkampf zwischen den Kommunen in ganz Deutschland.
Nach ellenlangen Verhandlungen einigte sich der Vermittlungsausschuss auf einen Kompromiss. Dieser sah als Regelfall die Bildung von Arbeitsgemeinschaften aus Agenturen für Arbeit und den Kommunen zur Betreuung der Langzeitarbeitslosen vor (Beispiel „ARGE” in Oldenburg). Wo es nicht zur Schaffung von Arbeitsgemeinschaften kam, ergab sich die getrennte Trägerschaft, bei der die BA für Vermittlung und Berechnung der Leistungen zum Lebensunterhalt zuständig ist, während die Finanzierung der Unterkunft wie Miete und Heizung sowie Beratungsaufgaben der Kommune (Beispiel Wesermarsch) obliegt. Außerdem wurde ein zeitlich begrenztes Versuchsmodell vereinbart, an dem 69 Kommunen (Anzahl der Stimmen im Bundesrat) vom 1.1.2005 bis 31.12.2010 teilnehmen.
Auch das Ammerland ist an diesem Feldversuch, dem so genannten Optionsmodell, beteiligt, bei dem die Betreuung von Arbeitslosengeld-II-Empfängern komplett in der Verantwortung der Kommunen liegt. Bereits seit 3 ½ Jahren werden also alle Leistungen von einer Hand abgewickelt: so die Vermittlung, Auszahlung von Arbeitslosengeld II, das Fallmanagement und die Beratungsaufgaben (Schuldner-, psychosoziale und Suchtberatung).
„Wir mussten von Null auf Hundert fahren!” erklärt Ralf Geerdes, Geschäftsführer im „Geschäftsbereich Arbeit”. „Aber es hat sich gelohnt!” Deutliche Vorteile habe die Praxis des Optionsmodells im Ammerland gezeigt. Durch die gesamte Leistungszahlung aus Gemeindehand ergeben sich kürzere Fahrtwege. Im Bereich des örtlichen Arbeitsmarktes sind die Betriebe bekannt, in Edewecht z.B. stehen sowohl die Bürgermeisterin als auch der Landrat mit ansässigen Firmen im Kontakt und können mit den Arbeitgebern ins Gespräch kommen. Auch das Fehlen von zentralen Vorgaben im Rahmen des Optionsmodells mache sich positiv bemerkbar, sagt Geerdes weiter. Zwar müssten gesetzliche Bestimmungen natürlich eingehalten werden, aber der Ermessungsspielraum mache Entscheidungen vor Ort möglich. So sei auch die Vermittlung von Jugendlichen vereinfacht.
„Die Gemeinde hat kurze Drähte!” freut sich der Geschäftsführer und weist auch auf die Dienste vom Familienservicebüro für Kinderbetreuung hin, das durch engen Kontakt mit Tagesmüttern und Kindergärten vor allem arbeitssuchende Mütter unterstützen kann.
All diese Vorteile des Optionsmodells haben wohl dazu beigetragen, dass die Arbeitslosenquote im Ammerland 6% unterschritten hat und weiter rückläufig ist.
So hat denn auch von den 69 am Optionsmodell beteiligten Kommunen noch keine ihre Gesamtzuständigkeit aufgegeben. „Unsere massive Arbeit trägt ihre Früchte!” betont Ralf Geerdes. „Alle wollen weitermachen!”






